Stiftung Zukunft Musik im Kanton Schwyz
Warum braucht unsere Jugend Musik dringender denn je?
Unsere hoch entwickelte Gesellschaft ist auf motivierte, ausgeglichene und kompetente junge Menschen angewiesen. Gefragt sind Innovationsfähigkeit, Flexibilität und hohe soziale Kompetenz. Aber gerade unsere heutige auf Selbstverwirklichung ausgerichtete Wohlstandsgesellschaft verleitet zunehmend zu fatalem Fehlverhalten. Immer mehr Jugendliche wachsen auf ohne Beziehungsnetz, ohne Vorbilder, ohne Geborgenheit und Wärme. Anstatt in Erziehungszeit und Herzenswärme zu investieren, wird den Standessymbolen Macht und Freiheit nachgeeifert. In den alten Adelshäuser war das auch so, aber dort war für genügend Elternersatz gesorgt. Viele Jugendliche sind durch Videospiele und Fernsehprogramme stärker geprägt als durch Menschen. Die „Gameboy Erziehung“ führt nachweislich zu reaktionsfreudigeren, aktiveren und spontaneren Jugendlichen. Leider hat aber die Konfliktfähigkeit, die Solidarität und der Respekt vor gemeinsamen Werten stark abgenommen. In der Schweiz wachsen 40 % der Jugendlichen als „Schlüsselkinder“ auf. Die Familie besteht oft nur noch aus einem Kind und wohnt in einem Kleinhaushalt. Das Streben nach Freiheit geht zunehmend zulasten der Solidarität und der Gemeinsamkeit. Individuelle Freiheit ohne gemeinsame Traditionen und Werte überfordert aber eine immer grössere Zahl junger und auch älterer Menschen. Wenn diese innere Verunsicherung und Überforderung noch mit einer abnehmenden Konfliktfähigkeit ergänzt wird, wirkt sich das für die Gesellschaft fatal aus. Unter anderem sind hohe Scheidungs- und Suizidraten eine unausweichliche Folge dieser Entwicklung. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wenn ihm die Zugehörigkeit, die Liebe, Wärme und Geborgenheit entzogen wird, findet er sich in unserer Gesellschaft nicht mehr zurecht.
Eine zunehmende Zahl Jugendlicher findet den Einstieg in die Arbeitswelt nicht mehr oder nur über kostspielige Umwege, was unsere Gesellschaft immer stärker belastet.
Was kann dagegen unternommen werden? Der Staat kann nicht Elternwärme und Zugehörigkeit vermitteln. Die Rahmenbedingungen für die Erhaltung der Bildungsfä-higkeit aller müssen nachhaltig verbessert werden. Dabei reicht aber der Appell an die Eigenverantwortung nicht, weil viele Eltern oder Halbfamilien diese Eigenverant-wortung gar nicht mehr wahrnehmen können.
Ich bin überzeugt, dass Musizieren und Musikausbildung vor allem im Zusammen-spiel eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten ist, Jugendliche in ihrem Verhalten po-sitiv zu beeinflussen und dies vor allem in der Selbsfindungsphase der Pubertät.
Es ist wissenschaftlich erwiesen und zum Beispiel von Professor Dr. Hans Günther Bastian auch mehrfach beschrieben, dass gerade sozial benachteiligte und in ihrer kognitiven Entwicklung wenig geförderte Jugendliche von einer erweiterten Musiker-ziehung profitieren können.
Wir haben im Kanton Schwyz dank der Bereitschaft der Bevölkerung auf Stufe Gemeinde Musikschulen aufzubauen und zu finanzieren eine gute Grundlage für einen breiten Zugang der Kinder zur Musik schaffen können. Verständlicherweise nimmt die Subventionierung des Musikunterrichts nach der obligatorischen Schulzeit deutlich ab. Für die begabten Musikerinnen und Musiker ist ein breites Angebot von Förderungsveranstaltungen und Wettbewerben vorhanden. Für weniger Begabte und vor allem für Gruppen und Ensembles sind wenig Anreize vorhanden. Kommt dazu, dass gerade mit dem Ende der Schulzeit aus zeitlichen und vor allem auch aus finanziellen Gründen das Musizieren aufgegeben wird.
Hier versucht die Stiftung Zukunft Musik im Kanton Schwyz anzusetzen. Jugendli-che zwischen 15 und 25 Jahren sollen vor allem im Zusammenspiel unterstützt werden mit dem Ziel, sie während der Selbstfindungszeit durch die Musik zu stärken. Denn Musik fördert unter anderem die kognitiven, ästhetischen, sozialen, kreativen und emotionalen Merkmale des Menschen. Jugendliche brauchen Musik, weil sie auch zur menschlichen Triebbefriedigung, zur Kanalisierung von Aggressions- und Gewaltpotentialen und zur Veränderung emotionaler Stimmungen dienen kann.
Die Stiftung hat zum Ziel, in diesem Bereich einen Beitrag für die Vorbereitung junger Menschen auf die Herausforderungen unserer Gesellschaft zu leisten.
Jugend braucht Musik aus Gründen der Selbstfindung. Musik ist als Sprache der Gefühle und als jugendkulturelles Symbol für die Identitätsfindung und –entwicklung insbesondere in der Phase der Pubertät unverzichtbar.
Organisatorisches
In 18 Musikschulen werden im Kanton Schwyz rund 6000 Jugendliche unterrichtet. Die gut ausgebildeten, engagierten Musiklehrerinnen und Musiklehrer kommunizie-ren wöchentlich über die verschiedenen Instrumente mit Ihren Schülerinnen und Schülern. Sie können am besten beurteilen, ob Jugendliche Musik für die Festigung der Persönlichkeit brauchen oder nicht. Sie sind es dann auch, welche mit den Ju-gendlichen und ihren Eltern zusammen entscheiden können, ob die musikalische Ausbildung nach dem 15. Altersjahr fortgesetzt werden soll oder nicht. Sie können auch unter verschiedenen Jugendlichen die Bildung von Formationen anregen.
Die Stiftung übernimmt einen Teil der Unterrichtskosten, wenn junge Menschen in Ensembles oder anderen Formationen zusammen weiter musizieren wollen.
Der Individualunterricht wird nur in Ausnahmefällen unterstützt.
Zudem finanziert die Stiftung Musiklager und Musik-Weekends, welche durch einzelne Musikschulen oder Musiklehrern organisiert und durchgeführt werden.
